Das Befreiende am Ausmisten

Heute geht es bei mir nicht vorrangig um Bücher, auch wenn sie für diesen Beitrag auch eine Rolle spielen. Eigentlich geht es nämlich ums Ausmisten und Entrümpeln. Ich war nie jemand, der leichtfertig Dinge weggeworfen hat. Immer hatte ich einen guten Grund, alles zu behalten.

Irgendwann brauche ich das noch!

Es ist doch so eine schöne Erinnerung!

Aber ich habe das selbstgemacht!

Für Bücher galt das bei mir allerdings nie. Da habe ich die Sache schon immer eher pragmatisch gesehen und das hat sich in den letzten Jahren nur noch verstärkt. Werde ich das Buch noch mal lesen? Nein? Weg damit. Jemand anders kann dann jetzt mehr damit anfangen und im Idealfall kann ich sogar noch gegen ein Buch tauschen, das ich noch nicht kenne und schon lange lesen möchte.

In anderen Bereichen meines Lebens galt dieser Grundsatz bisher nicht. Das liegt unter anderem aber auch daran, dass er sich nicht überall so leicht anwenden lässt. Ob ein Buch mich genug fesseln oder berühren konnte, um in einigen Monaten oder Jahren noch mal darin versinken zu wollen, lässt sich für mich leicht entscheiden und nur selten habe ich so eine Entscheidung bisher bereut. Tue ich es allerdings doch, ist es nicht schwer, sich das Buch einfach ein zweites Mal zu besorgen. So einfach ist das aber nicht mit allen Gegenständen.

Gerade Dinge wie Karten habe ich früher immer aufgehoben. Egal ob es sich um Urlaubspost von Freunden, Geburtstagskarten oder Glückwünsche zur Kinderkommunion handelte. Es kam mir einfach falsch vor, sowas einfach zu entsorgen. Es hat sich ein ganzer Haufen angesammelt, aber ich musste zugeben: Die meisten davon bedeuten mir nichts. Geburtstagskarten enthalten meist nicht viel mehr als den Standard-Spruch, Urlaubskarten das obligatorische „Das Wetter ist super, wir sind viel unterwegs“, von einigen Kommunionskarten kannte ich nicht mal die Absender. Auch wenn Karten durch die Handschrift des Absenders direkt persönlich wirken, sind sie es nicht zwangsläufig auch und nur die wenigstens davon verband ich wirklich mit einer konkreten Erinnerung.

Also habe ich auch hier einen Entschluss gefasst. Ist die Karte nicht auf eine Art besonders, wodurch sie es wert ist, aufgehoben und hin und wieder mit einem Lächeln betrachtet zu werden, kommt sie in den Müll. Das hat einiges an Überwindung gekostet, aber so ist das immer bei einem Ersten Mal. Das erste Mal Karten wegwerfen – Check! Und es hat sich gut angefühlt. Ein ganzer Haufen Papier, der jetzt nicht mehr meine Schreibtischschublade blockiert und den ich sicher auch nicht vermissen werde.

 

Gerade in letzter Zeit habe ich immer wieder festgestellt, dass ich großen Gefallen an aufgeräumten und sparsam eingerichteten Zimmern finde. Beiträge zum Thema Minimalismus faszinieren mich sehr. Auch wenn ich das nicht konkret so umsetzen möchte, hat es mich doch inspiriert, mal wieder ein bisschen auszumisten. Das fing bei den Büchern an, von denen es einige getroffen hat und die jetzt ein neues Zuhause suchen oder schon gefunden haben und ging weiter über so ziemlich alle anderen Dinge, die ich besitze. Nur mein Kleiderschrank wurde verschont, weil ich ohnehin niemand bin, der viel Kleidung kauft und erst recht keine, die ich nicht brauche oder trage.

Meine Schreibtische wurden aufgeräumt, die Regale ausgemistet, die Dinge, die sich so auf meiner Sofalehne (mein universeller Ablageort) ansammeln. Einiges wanderte in einen Karton, anderes direkt in den Müll. Ich bin noch nicht fertig, aber mein Zimmer sieht schon sehr viel aufgeräumter aus und ich fühle mich direkt tausend mal wohler. Wir leben in einer Konsumgesellschaft, das lässt sich nicht abstreiten. Das ist vermutlich genau der Grund dafür, aber gerade deshalb erscheint es einem so unfassbar, dass man sich wohler fühlen kann, wenn man weniger Dinge besitzt.

Ich weiß gar nicht, was der Punkt meines Beitrags ist. Ich möchte euch weder vorschreiben, wie ihr zu leben habt, noch so tun als hätte ich die plötzliche Erleuchtung gefunden, weil in meinem Zimmer jetzt eine handvoll Gegenstände weniger zu finden sind. Ich wollte einfach nur teilen, wie befreit ich mich fühle, weil ich nun weniger Dinge um mich habe, die einfach nur da sind und weder einen Zweck erfüllen, noch mir auf irgendeine Art Freude bereiten. Falls ihr euch scheinbar grundlos unwohl fühlt: Probiert doch einfach mal aus, ein paar Dinge auszusortieren, die ihr nicht benötigt und die euch vielleicht sogar im Weg sind. Mir hat es geholfen.

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13 Kommentare zu „Das Befreiende am Ausmisten

  1. Hallo,
    mir hat dein Beitrag gut gefallen, denn ich habe mich auch in der letzten Zeit verstärkt mit dem Ausmisten befasst. Unser Keller ist so vollgestellt, dass ich dort auch radikal vieles weggeworfen habe. Wenn ich demnächst Urlaub habe, habe ich mir meinen Kleiderschrank vorgenommen. Und so miste ich auch nach und nach einige Dinge aus, nur bei mir ist das mit den Büchern anders. Ich habe mich zwar auch schon von einigen getrennt, aber da finde ich es besonders schwer und deshalb stehe noch immer viele in meinen Regalen. Aber irgendwas ist ja immer. ;)
    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

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    1. Hallo Diana,
      schön, dass du den Beitrag mochtest und auch, dass du gerade auch beim ausmisten bist. Dass du Bücher lieber behältst, ist ja kein Problem. Wenn es dich so glücklich macht, dann braucht man daran ja nichts zu ändern. :)
      Liebe Grüße!

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  2. Huhu :)

    Das ist wirklich ein toller Beitrag! Mir ist bei meinem Umzug auch aufgefallen, wie viel Mist eigentlich in meinem Zimmer herumfliegt. In meine Wohnung in der Unistadt habe ich nur eine sehr kleine Auswahl von all dem Kram mitgenommen und bis auf ein paar Dinge (Bücher zum Beispiel :D) fehlt mir hier nichts davon. Das fand ich auch irgendwie erschreckend, weil mein Zimmer zu Hause immer noch aussieht, als würde ich dort wohnen, ich aber kaum etwas von den Dingen dort überhaupt benutze…

    Wenn ich in ein paar Jahren dann „richtig“ ausziehe, wird das wahrscheinlich bei mir ganz ähnlich aussehen wie bei dir. Immerhin bin ich sonst ganz gut beim Aussortieren und sortiere immerhin Kleidung und Bücher regelmäßig aus. Bei mir wäre es wohl auch eher der ganze Krimskrams und dieses Kleinkram, was man ja irgendwie doch nicht entsorgen will, obwohl es überhaupt keinen Sinn ergibt, es noch länger zu behalten.

    Liebe Grüße
    Aileen

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    1. Hey Aileen,
      ja, darüber habe ich mir auch mal Gedanken gemacht. Wenn ich ausziehe, werde ich wohl auch nur wenige meiner Sachen mitnehmen, weil man vieles tatsächlich nicht regelmäßig braucht, sondern eher aus anderen Gründen behält.
      Ein paar Dinge kann man ja auch problemlos behalten, wenn man sie wirklich nicht weggeben/werfen will, gerade wenn es Klenigkeiten sind, aber leider sammelt sich da meistens einiges an :D Das werde ich auch noch mal radikal ausmisten müssen, wenn es bei mir mal soweit ist.

      Liebe Grüße!

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  3. Pingback: Mein Januar
  4. Achja … das KARTENproblem :-O Ich stehe immer wieder vor dieser Entscheidung, Karten wegzuwerfen und … ich kann es nicht! Vielleicht hilft mir aber dein Artikel jetzt ein wenig dabei. Wie du schon schreibst, sind einige ohne besonderen Bezug. Dann aber denke ich, was ist, wenn die Menschen irgendwann mal nicht mehr in meinem Leben sind, sie vielleicht verstorben sind. Möchte ich mich dann nicht vielleicht mit den Glückwunschkarten an sie erinnern? Ich muss da wirklich nochmal in mich gehen. Ich muss sagen, dass ich noch einiges an Korrespondenz aus meiner Jugend habe und die liegt mehrere Jahrzehnte zurück. Und – ich finde es wunderbar und schön in diesen alten Briefen zu stöbern. Auch in den alten Ansichtskarten. Glückwunschkarten habe ich aber selbst aus dieser Zeit nicht mehr. Ok, ich gebe zu, ich muss da nochmal durchsortieren.

    Lieben Dank für den Anstoß!

    Zum allgemeinen Ausmisten möchte ich noch sagen, dass ich es zwar kann, aber ich habe große Prlbleme damit, Dinge in den Müll zu werfen. Ich denke immer daran, dass jedes „Ding“ ja auch seinen Wert hat, einmal hergestellt wurde etc. Meine Gedanken sind dann eher, wem ich es geben kann, da mir die viele Wegwerferei nicht gefällt. Und so bleiben Dinge oft doch bei mir, weil ich einfach den Müll vermeiden will oder mich schlichtweg nicht entscheiden kann. Furchtbar. Da muss ich was tun *lach*.

    Liebe Grüße,
    Sandra

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    1. Ich verstehe die Überlegung gut. Ich habe zum Beispiel auch die letzte Karte von meinem Opa aufgehoben, die restlichen aber weggeworfen. Wobei ich dazu sagen muss, dass jedes Jahr genau der gleiche Text drin stand ;)
      Natürlich weiß ich nicht wie das bei dir aussieht, aber vielleicht hilft es schon, sich auf eine pro Person zu beschränken? Oder eben auf außergewöhnliche. Briefe würde ich allerdings wahrscheinlich auch behalten, weil die doch ein ganzes Stück persönlicher und aussagekräftiger sind.

      Ich werde auch sehr ungern Dinge weg. Alles, was noch irgendjemand eventuell brauchen könnte, kommt bei uns einfach nicht in den Müll, sondern wird gehortet. Allerdings ist es meistens gar nicht so leicht, dann tatsächlich auch einen neuen Besitzer zu finden und das ist wirklich ein großes Problem :D Würde man für alles sofort einen Abnehmer finden, sähe unser Haushalt auch ganz anders aus.

      Liebe Grüße und viel Erfolg, wenn du das mal angehen solltest. :)

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  5. Ich werde das ganz sicher angehen, diese Tüte mit den Karten (und Briefen) lag mir schon vor drei Wochen als ich den Schreibtisch aus- und wieder eingeräumt habe, im Weg herum … Da muss was passieren. Dieses Zimmer wird eh bald komplett neu sortiert und auch neu möbliert, dabei werde ich dann auch das KARTENproblem lösen wollen :-D

    Liebe Grüße,
    Sandra

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  6. Schöner Beitrag :) Bei mir steht ja aus diversen Gründen auch noch ganz viel Aussortieren an. Zumindest alte Schulunterlagen, egal ob Gymnasium oder Berufsschule, sowie die Unterlagen vom Studium können echt mal weg, spätestens nach Abgabe der Masterarbeit. Dann hatte ich noch drei Kisten voll mit Kinder- und Jugendbüchern bei Oma stehen, da kann ich mich bestimmt von einigen auch mal trennen. Spielzeug muss ich auch nochmal in mich gehen, wobei hier schon gut vorsortiert wurde. Und generell der ganze Krimskram, wie eben die erwähnten Karten *seufz*

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    1. Meine Schulsachen habe ich am Tag der letzten Abiprüfung alle direkt entsorgt :D Mit denen aus dem Studium werde ich es wahrscheinlich genauso machen. Bei sowas bin ich wirklich nicht anhänglich.
      Spielzeug und Kindersachen bewahrt meine Mutter alle auf, das ist zum Glück nicht meine Baustelle. Da hätte ich aber auch alle Hände voll zu tun.
      Krimskram ist auch wirklich gemein. Ich wünsch dir viel Erfolg!

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      1. Es ist auch längst nicht mehr alles da an Unterlagen 😅 Aber ich habe eine Menge „wichtige“ Sachen aufgehoben und das läppert sich auch, allein die Bücher für den Fachwirt sind eine Kiste …

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  7. Oh Mann, ich habe mich gerade SO angesprochen gefühlt von dem Teil über Karten!
    Ich bin im vergangenen Jahr umgezogen und Umzüge eigenen sich ja immer super dafür, endlich mal auszumisten. Während ich meine Sachen in Kartons gepackt hab, hab ich einige einfach gleich in einen Müllsack gestopft oder zur Seite gelegt, um sie zur Spende zu bringen. Gerade aus meinem Kleiderschrank sind bestimmt zwei Drittel der Sachen zur Spende gewandert, weil sie mir entweder zu klein geworden waren oder ich ehrlich sagen musste, dass ich sie im ganzen letzten Jahr kein einziges Mal getragen habe. Bücher aussortieren war aus den Gründen, die du nennst, auch nicht so schwer. Irgendwann kam ich dann aber beim Packen in Zeitdruck und hab dann doch alles nur noch unsortiert in Kisten geworfen – Kisten, die ich ein Dreivierteljahr später immer noch nicht ausgeräumt habe. Im Grunde könnte ich vermutlich die gesamten Inhalt dieser Kisten wegwerfen, aber natürlich bringe ich das dann doch nicht übers Herz. Aber es hat mir ordentlich zu Denken gegeben, dass ich offenbar einen Großteil meines Besitzes überhaupt nicht brauche. Ich hoffe, das wird mir dann beim Aussortieren helfen.
    Ach ja, der Zusammenhang zu den Karten ^^. Seit ich denken kann, habe ich sämtliche Geburtstags- und Weihnachtskarten aufgehoben und weiß aktuell absolut nicht mehr, was ich damit eigentlich soll, aus genau den Gründen, die du auch nennst: Sie enthalten ohnehin fast nur Standardphrasen. Es tut zwar irgendwie weh, was Persönliches wegzuwerfen, genau wie ich mich schlecht fühle, wenn ich Geschenke aussortiere, aber wenn die Sachen am Ende nur Platz wegnehmen, hat das ja auch keinen Sinn.

    In diesem Sinne Danke für das Teilen deiner Erfahrungen! Ich hoffe, dass ich mich auch bald endlich der letzten Kartons in meinem Zimmer entledigen kann ^^.

    Liebe Grüße :)

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    1. Die unausgepackten Kisten sind natürlich krass, das kann ich mir vorstellen. Dadurch merkt man dann wirklich, welche Dinge man sowieso nie braucht und eigentlich abgeben oder wegwerfen kann. Ich habe auch manchmal solche „was ist eigentlich in dieser Schublade?“-Momente, wo mir klar wird, dass ich daraus offenbar gar nichts brauche :D

      Was die Karten angeht: Versuch dich mal zu überwinden, ein paar einzelne wegzuwerfen. Dann merkst du, ob das für dich funktioniert oder nicht. Das ist eigentlich nur ein Überwindungs-Ding und wenn man es ein mal gemacht hat, dann ist das wahrscheinlich kein Problem mehr. Sonst könntest du vielleicht auch z.B. von jeder Person eine behalten, dann hast du immer noch von jedem etwas, aber nicht mehr so eine große Menge.

      Gerne, viel Erfolg!

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