[Rezension] Gute Geister

Gute Geister

 

Autorin: Kathryn Stockett
Verlag: btb
Format: Taschenbuch
Originaltitel: The Help
Seitenzahl: 605
Reihe: –


Inhalt

Aibileen und Minny sind beide Dienstmädchen in weißen Familien und erleben die Rassentrennungsgesetze im Amerika der 1960er am eigenen Leib. Skeeter hingegen steht auf der anderen Seite, denn ihre Familie beschäftigt selbst eine schwarze Haushaltshilfe. Anders als viele ihrer Freundinnen betrachtet sie die Dienstmädchen allerdings als wirkliche Personen, die eine eigene Geschichte und viel zu erzählen haben. Da sie selbst für ihr Leben gern schreibt, versucht sie diese beiden Dinge zu verbinden und so etwas zu erreichen.


Meinung

Eine wichtige Information vorweg ist, dass das Buch von einer weißen Autorin geschrieben wurde, deren Familie in ihrer Kindheit selbst ein Dienstmädchen hatte. Sie schreibt selbst, dass sie fürchtet, die schwarze Perspektive nicht authentisch darstellen zu können (inwiefern ihr das gelungen ist, kann ich auf keinen Fall beurteilen und wollte es nur der Vollständigkeit halber erwähnen), möchte aber durch diese Geschichte an die Frau erinnern, die sie praktisch aufgezogen und wie eine Mutter geliebt hat. Das erzählt sie auf den letzten Seiten des Buches und man erkennt einige Aspekte aus ihrer Erzählung sofort im Buch wieder. Es hat mir gefallen, dass sie hier aus ihrer eigenen Erfahrung geschöpft hat, allerdings ist es eher problematisch, als privilegierte Weiße zu denken, man könne eine Situation realistisch aus Perspektive von People of Color beurteilen. Außerdem habe ich bereits Kritik als „white savior story“ gehört, wo es darum geht, dass dargestellt wird, dass BPoC von weißen „gerettet“ werden müssen, wenn sie ihre Position in der Gesellschaft verbessern wollen. Weiteres zu dem Thema überlasse ich aber lieber Leuten, die davon mehr Ahnung haben.

Kommen wir nun zum Roman an sich, der mir sehr gefallen hat. Man folgt den Perspektiven von Aibileen, Minny und Miss Skeeter – zwei Dienstmädchen und einer weißen angehenden Journalistin. Zunächst verbindet sie nichts mit den beiden, allerdings begegnet sie Aibileen regelmäßig, da sie für ihre beste Freundin arbeitet und dieser ist schon früher aufgefallen, dass sie von ihr besser behandelt wird als von den anderen weißen Frauen. Daraus entwickelt sich nach und nach mehr und es kommt schließlich zu der Idee, die Miss Skeeter hat und die ich an dieser Stelle nicht verraten möchte. Alle Perspektiven habe ich gern gelesen und die Charaktere sind so unterschiedlich, dass immer sofort klar war, aus wessen Sicht man gerade liest. Auch der Schreibstil ändert sich entsprechend und das fand ich super. Alle drei wirken außerdem wirklich authentisch und durch die Länge des Romans lernt man sie und ihre Hintergründe auch gut kennen. Die Handlung hätte auch auf weniger Seiten gepasst, allerdings möchte ich keine davon missen, weil jede ihre Berechtigung hat.

Ich muss zugeben, dass das Buch für mich in meiner Unwissenheit etwas schockierend war. Zwar war mir bewusst, was für ein großes Problem Rassismus in den USA darstellt(e), allerdings hatte ich nicht auf dem Schirm, wie schlimm es noch in den 1960ern war. In diesem Aspekt war ich etwas naiv und einfach uninformiert. Besonders erschreckend fand ich, dass Rassimus nicht nur alltäglich war, sondern sogar auf einen herabgeblickt wurde, wenn man das auch nur annähernd in Frage gestellt hat. Da sieht man doch einen deutlichen Unterschied zur heutigen Gesellschaft, in der größtenteils zumindest so getan wird, als halte man Diskriminierung für inakzeptabel.
Mir gefällt die ungeschönte Darstellung im Umgang zwischen den weißen Familien und den schwarzen Arbeitern, aber auch, dass es ebenso gute Aspekte gibt, über die berichtet wird. So sieht zum Beispiel Aibileen ihre Arbeit nicht nur negativ, obwohl sie von ihrer Arbeitgeberin nicht gut behandelt wird, sondern liebt das Kind, um das sie sich dort kümmert, wie ihr eigenes und möchte ihr möglichst viel mit auf den Weg geben um so ihren eigenen kleinen Beitrag zur Änderung der Gesellschaft beizutragen. Es hat mich aber auch wütend gemacht, zu lesen, wie mit den Dienstmädchen umgegangen wird und dass sie das größtenteils einfach hinnehmen, weil sie zum einen sonst ihren Job verlieren würden und es zum anderen gar nicht anders kennen.

Das Buch zeigt auf berührende Art, dass Veränderungen nicht plötzlich passieren, sondern langsam und schrittweise und dass es immer einen kleinen Anstoß braucht, um die Leute nach und nach zum Umdenken zu bewegen.

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3 Kommentare zu „[Rezension] Gute Geister

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