[Rezension] Ich bin Linus – Wie ich der Mann wurde, der ich schon immer war

Autor: Linus Giese
Verlag: Rowohlt Polaris
Format: Klappenbroschur
Seitenzahl: 221
Preis: € 15,00
Reihe: –


Linus Giese ist durch den Blog buzzaldrins.de oder als @buzzaldrinsblog auf Twitter und Instagram vielen bereits bekannt. Wenn man ihm dort folgt, stehen die Chancen gut, dass man sein Comingout vor drei Jahren mitbekommen hat und man kennt vielleicht bereits einige der Geschichten und Anekdoten, die er in seinem Buch aufgreift. Ich selbst habe davon nur sporadisch etwas mitbekommen, weshalb es sich für mich nicht angefühlt hat, als würde zu viel wiederholt werden, was ich schon weiß.

In diesem Buch erzählt Linus von seinem Leben, allerdings nicht chronologisch. Es beginnt mit dem Tag, an dem er zum ersten Mal seinen neuen Namen laut ausgeprochen hat und hangelt sich durch verschiedene Erzählungen, wobei auch immer wieder seine Kindheit aufgegriffen wird. Er berichtet dabei, wie unwohl er sich schon immer in seiner Haut fühlte, aber nie so richtig festmachen konnte, woran das lag oder wie er das Gefühl in Worte fassen könnte. Er schreibt sehr offen und direkt auch über private Themen, vor allem damit andere trans Personen es leichter haben. Linus möchte das Vorbild für andere sein, das er damals vergeblich gesucht hat.

Es handelt sich hierbei nicht um einen Ratgeber oder ein Sachbuch zur gezielten Wissensvermittlung. Obwohl Linus von seinem Weg berichtet und auch konkrete Situationen nennt, in denen ihm die Gesellschaft Steine in den Weg gelegt hat und wie er damit umgegangen ist, betont er immer wieder, dass jede Person unterschiedlich ist und es keine festen Abläufe in der Transition gibt. Trotzdem bin ich überzeugt, dass dieses Buch vielen betroffenen Personen weiterhelfen und den Mut geben kann, ihren Wünschen nachzugehen.

Das Buch liest sich sehr gut und trotz des ernsten Themas wollte ich es nicht aus der Hand legen. Linus hat einen Weg gefunden, seine Erlebnisse gefühlvoll zu schildern und dabei gelungen zwischen positiven und negativen Ereignissen abzuwechseln, damit es nicht zu erdrückend wird. So berichtet er beispielsweise von all dem Hass, der ihm online entgegenschlägt und wie schwer es ist, damit umzugehen, erklärt gleichzeitig aber auch, wieso er das macht und dass es nicht nur negative Reaktionen auf seine Beiträge gibt.

Der Autor hat einen guten Weg gefunden, nicht-betroffene Leser*innen aufzuklären und Einblicke zu geben, ohne alles zu umfassend zu erläutern. So gibt es immer mal kleine Einschübe mit Erklärungen oder das Kapitel „Sprache“, in dem bestimmte Redewendungen genannt werden, die vermieden werden sollten. Er weist aber ebenso darauf hin, dass es für ihn als Betroffenen nicht seine Pflicht ist, alle über das trans-sein aufzuklären und es genug Ressourcen gibt, die einem mit seinen Fragen weiterhelfen können.

Am Ende kam es mir etwas unvollständig vor oder als hätte mir etwas gefehlt, was ich aber nicht ganz festmachen kann. Da es sich um eine Biographie handelt und Linus noch lange nicht am Ende seines Lebens angekommen ist, ist das aber nur natürlich. Trotzdem ist das Buch ziemlich dünn und es hätte bestimmt noch einiges zu berichten gegeben. Das ist allerdings auch mein einziger Kritikpunkt: Ich hätte gerne noch mehr gelesen.

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