[Reihenrezension] Binti

Binti ist eine Science Fiction Reihe, die aus drei Novellen besteht und von der Autorin dem Genre africanfuturism zugeordnet wird. Die Bände erschienen im Original einzeln, im Deutschen gibt es einen Sammelband aus dem Cross Cult Verlag mit insgesamt 400 Seiten. Ich gehe in dieser Rezension nicht genau auf den Inhalt der Folgebände ein, aber wenn ihr ganz auf Nummer sicher gehen und Spoiler vermeiden möchtet, nehme ich es euch natürlich nicht übel, wenn ihr diese Abschnitte nicht lest.

Content Notes
Tod, Blut, Trauma, Rassismus
 

Band 1: Binti / Allein

Binti ist eine master harmonizer und vom Volk der Himba, die traditionell ihren Heimatort nicht verlassen. Trotzdem treibt es Binti in die Welt hinaus, denn sie ist eine der wenigen – und die erste Himba überhaupt – die sich mit ihren mathematischen Fähigkeiten für die Oomza Universität qualifiziert hat. Obwohl ihre Familie und Freunde stark dagegen sind, beschließt sie, die Erde zu verlassen und zu studieren. Alles läuft gut, bis ihr Schiff plötzlich von Medusen angegriffen wird, die schon lange im Krieg mit den Menschen sind…

Obwohl wir uns in einer Zukunftswelt befinden, in der längst viele komplett verschiedene Wesen mit unterschiedlichen Herkunftsplaneten bekannt sind, ist die Welt längst nicht so tolerant wie man vermuten würde. Bintis Volk, die Himba, leben nahe der Wüste und verlassen ihre Heimat nie, sie kennt nicht mal die nächste größere Stadt der Khoush. Aus diesem Grund sticht sie stark heraus, als sie sich nun allein zwischen Menschen anderer Herkunft befindet. Sie wird nicht nur von Fremden abfällig gemustert wegen ihrer Haare, Kleidung und Traditionen, sondern wird durch ihre Entscheidung, fortzugehen, nun auch zur Außenseiterin in ihrer Heimat. Gerade zu Beginn des Buches wird dieser Rassismus offen thematisiert und obwohl das Setting sich von unserer Welt unterscheidet, sind die Verhaltensweisen der anderen doch bekannt.

Just because something isn’t surprising doesn’t mean it’s easy to deal with.
– 15% des Ebooks

Bintis Gedanken und Gefühle zu Beginn ihrer Reise werden gut vermittelt und sind nachvollziehbar. Da es sich um eine Novelle handelt und Band 1 nicht einmal 100 Seiten lang ist, bleiben dafür andere Aspekte etwas auf der Strecke. Auf dem Raumschiff auf dem Weg zur Universität freundet sich Binti mit anderen zukünftigen Studenten an, aber als Leser lernt man diese gar nicht kennen. Es werden kaum ihre Namen genannt, bevor es auch schon zum erwähnten Angriff kommt und die Beziehung zwischen Binti und den anderen spielt im Grunde gar keine Rolle in der Geschichte. Das fand ich besonders schade, weil ich es spannend gefunden hätte, wie sie miteinander auskommen, da sie ganz unterschiedlicher Herkunft sind und sie Binti vermutlich genauso fremd erschienen wie sie ihnen. Das fällt hier leider komplett raus. Stattdessen liegt der Fokus weiterhin größtenteils auf Bintis Innenleben und dann auf ihren Interaktionen mit den Meduse, was aber auch absolut interessant ist.

Alles in Allem ist es ein spannender erster Band, der mich für eine Novelle wirklich überzeugen konnte. Durch die Kürze fehlt es meiner Meinung nach an einigen Ausführungen, aber da der Fokus gezielt auf Bintis Innenleben liegt, werte ich das als gewollt.


Band 2: Home / Heimat

Die Fortsetzung beginnt, als Binti bereits seit einem Jahr an der Oomza Universität studiert. Sie hat in dieser Zeit einige Fortschritte gemacht was ihr Eden angeht, ein kleiner Apparat unbekannter Herkunft und Funktion, der sie vor den Meduse gerettet hat. Sie findet, dass es nun an der Zeit ist, nach Hause zurückzukehren und ihre Pilgerreise in der Wüste zu machen. Dabei stellt sie aber fest, dass sie sich nicht nur äußerlich verändert hat und nun gar nicht mehr weiß, ob es noch ihr Zuhause ist.

Dieses Gefühl steht in diesem Band im Mittelpunkt, denn ihr vergangenes Zusammentreffen mit den Meduse hat sie grundlegend verändert, genauso wie die Zeit die sie nun abseits der Erde verbracht hat. Das stellt sie besonders beim Wiedersehen mit ihrer Familie fest, die sie nun mit ganz anderen Augen betrachtet und ihr nicht verziehen hat, dass sie sie verlassen hat. Im Fokus steht nun Bintis Reflexion über ihre eigene Veränderung und die Frage, wo nun ihre wahre Heimat ist. Ist sie immer noch eine Himba oder gehört sie nun eher zu den Meduse?

Dieser Band hat mir trotz weniger Spannung mindestens so sehr gefallen wie Band 1, denn auch hier ist die Selbstreflexion Bintis wieder großartig ausgeführt. Ihre Frustration und Zerrissenheit kommt sehr gut rüber und ihr Konflikt wird so deutlich, dass ich auch als Leserin nicht mehr wusste, ob es darauf nun eine klare Antwort geben kann oder nicht. Es wird außerdem ihre Posttraumatische Belastungsstörung (/PTSD) nach dem Angriff in Band 1 besprochen.


Band 3: Night Masquerade / Nachtmaskerade

Band 3 beginnt genau da, wo Band 2 endet, nämlich mit Binti auf dem Weg zu ihrer Familie, die in großer Gefahr ist. Der Übergang ist nahtlos und es gibt keinen Rückblick, sodass ich die letzten Kapitel des Vorgängers noch einmal lesen musste um wieder zu wissen, wo wir uns gerade befinden. Den Einstieg hätte man dem Leser also einfacher gestalten können. Spannend ist es aber trotzdem, denn Binti fürchtet um das Leben ihrer Familie und gleichzeitig muss sie mit einem neuen Teil ihrer Identität zurechtkommen, von dem sie gerade erst erfahren hat und der ihr neue Fähigkeiten gibt, die sie noch nicht kontrollieren kann.

An diesem Punkt muss ich sagen, dass ich es zwar spannend finde, wie sich Bintis Figur immer mehr erweitert, aber es wurde für mich tatsächlich ein bisschen viel. Sie lernt nie, wirklich mit ihrem neuen Ich zurechtzukommen, sondern es wird immer mehr und ich hätte es viel spannender gefunden, wenn die vorhandenen Aspekte weiter untersucht worden wären. Trotzdem fand ich es cool, mitzuerleben, wie sie immer mehr mit sich selbst ins Reine kommt und die Veränderungen akzeptiert.

Davon abgesehen ist das Buch auch dadurch spannend, dass der Krieg zwischen den Khoush und den Meduse wieder auflebt und Binti zwischen die Fronten gerät. Ich fand allerdings manche Ereignisse vorhersehbar und ein anderes widerum übertrieben und nicht ganz glaubwürdig. Trotzdem war ich alles in allem zufrieden mit diesem spannenden Abschluss.

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