Montagsfrage – Warum lieber Fremdsprache als Übersetzung?

Die Montagsfrage ist eine wöchentliche Aktion, die von Antonia auf dem Blog Lauter & Leise organisiert wird. Ich habe vor Jahren schon einmal regelmäßig teilgenommen und möchte hiermit wieder einsteigen, auch wenn ich den Montag prompt verpasst habe.

Die vollständige Frage heute lautet „Wie hoch ist euer Leseanteil in einer Fremdsprache und warum lest ihr nicht die Übersetzung?“ und stammt von Torsten’s Bücherecke. Den Beitrag von Antonia findet ihr hier.

Als ich noch Anglistik studiert habe (bis Mitte 2019) habe ich nicht nur zwangsläufig die benötigten Bücher auf Englisch gelesen, sondern vor allem auch Artikel und Fachliteratur. Das fällt mittlerweile weg, aber noch immer lese ich gerne das Original, wenn ich kann. Bei gekauften Büchern halte ich mich auch gerne daran, aber seit ich vermehrt die Bücherei nutze, landen doch wieder ein paar mehr übersetzte Bücher bei mir, da die Auswahl der deutschen Literatur dort natürlich größer ist, als die der englischen.

Wie hoch ist denn nun mein Fremdsprachenanteil? Im Jahr 2020 waren 25 meiner gelesenen Bücher auf englisch, was ziemlich genau einem Viertel entspricht. Wieso das so ist? In vielen Fällen handelt es sich um Bücher, die (noch) gar nicht ins Deutsche übersetzt worden sind. Manche waren Fortsetzungen, auf die ich nicht länger warten wollte oder bei denen der Verlag sich gegen eine Übersetzung entschieden hat. Andere sind einfach Bücher, für die der deutsche Buchmarkt noch nicht bereit zu sein scheint. Besonders oft ist das bei Büchern der Fall, in deren Fokus marginalisierte Figuren stehen, denn in diesem Feld ist der englische Markt uns um einiges voraus. Mein letztes gelesenes Buch ist „The Henna Wars“ von Adiba Jagirdar. Die Protagonistin stammt aus Bangladesh, lebt aber nun in Irland und ist lesbisch. In der Geschichte geht es nicht nur viel um Akzeptanz und Tradition, sondern auch um kulturelle Aneignung. Fällt euch ein vergleichbares (Jugend-) Buch auf Deutsch ein? Mir nicht.

Abgesehen von der Erhältlichkeit gefällt es mir aber auch, die Geschichten genau so zu lesen, wie die_der Schreibende sie geschrieben hat. Ich habe viel Respekt vor der Arbeit von Übersetzer*innen, aber trotz aller Mühen kann man Texte einfach nicht 1:1 übertragen, sondern es ergeben sich immer Änderungen. Gerade Humor lässt sich sehr schwer übertragen, sodass ich humoristische Bücher in Übersetzung lieber meide. Ein angenehmer Nebeneffekt ist es, dass man durch das Lesen einer Fremdsprache natürlich auch seine eigenen Sprachkenntnisse frisch hält und erweitert und gerade Englisch ist heutzutage im Alltag viel zu notwendig und nützlich, um diesen Aspekt zu vernachlässigen.


Wie ist es mit euch, lest ihr viele nicht-deutsche Originale?

2 Kommentare zu „Montagsfrage – Warum lieber Fremdsprache als Übersetzung?

  1. Hallo Jacquy,

    ich bin tatsächlich jemand, der sehr viele Übersetzungen oder deutsche Originale liest. Das hat vor allem den Grund, dass ich als ohnehin schon langsamer Leser auf Englisch noch langsamer lese. Und das frustriert mich. Zudem habe ich gerade bei Fantasy/Science-Fiction gemerkt, dass ich doch nicht hunderprozentig alles verstehe (obwohl ich in der Schule recht gut in Englisch war) und so das Buch mich nicht ganz so fesseln kann, wie es die deutsche Übersetzung tut. Das war bei mir beispielsweise der Fall beim zweiten Band von Anna im blutroten Kleid. Dieser wurde leider nicht übersetzt und so habe ich ihn im Original gelesen. Von der düsteren/finsteren Atmosphäre kam bei mir leider nicht so viel an, weil ich die entscheidenden Worte nur im Zusammenhang verstehen konnte, nicht aber wusste, was sie genau bedeuteten. Die Übersetzung hätte mir hier wohl besser gefallen. :D An Obsidio traue ich mich beispielsweise auch nicht ran, da es hier unglaublich viel Slang und Fachwörter gibt, die ich gar nicht kennen kann. :/

    Finde deine Argumente, warum du viel auf Englisch liest, aber sehr nachvollziehbar. Und so findet man definitiv schöne Geschichten, die man mangels Übersetzung sonst nie kennengelernt hätte!

    Danke für deinen Einblick in das Thema :)

    Liebe Grüße
    Anna

    Gefällt mir

    1. Hey Anna,

      das verstehe ich komplett, Lesezeit ist rar genug, da möchte man dann natürlich oft nicht länger als nötig für eine Geschichte brauchen.
      Das Verständnisproblem bei Fantasy und vor allem bei SciFi kann ich auch gut nachvollziehen, das ist aber viel Gewohnheit. Es gibt ja viele Begriffe, die üblicherweise in den meisten Büchern vorkommen und die prägt man sich dann doch recht schnell ein. Du hast aber völlig recht, solange man im Vokabular noch nicht sicher ist, kann man ein Buch auch nicht so sehr genießen.
      Ich verstehe aber, wenn man da lieber bei der „gemütlicheren“ Variante bleibt,

      Freut mich, dass der Beitrag dir gefallen hat :)

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.