[Rezension] Grau

Autor: Jasper Fforde
Verlag: eichborn
Format: ebook (Hardcover nicht mehr neu erhältlich)
Erschienen: 16.11.2012
Preis: € 6,99
Seitenzahl: 500
Reihe: (bisher keine)


Inhalt

Eddie hat gute Chancen in der Gesellschaft aufzusteigen, denn er hat eine viel bessere Rotsicht als die Meisten. In einer Welt, in der Farbwahrnehmung schwach und selten geworden ist, hat er damit viel zu bieten für einflussreiche Familien, die ihr Erbgut aufbessern wollen. Er hat also gute Aussichten für die Zukunft. Das ändert sich, als er mit einer Aufgabe nach Ost-Karmin geschickt wird und sich dort nicht nur in Jane verliebt, die damit droht, ihn umzubringen, sondern zu allem Überfluss auch noch Dinge erfährt, die er lieber nicht wissen sollte.


Meinung

Wir befinden uns in einer Gesellschaft, in der es keine normale Farbwahrnehmung mehr gibt, wie wir sie kennen. Die meisten Menschen können nur noch eine Farbe erkennen, andere – die Grauen – gar keine mehr. Letztere bilden die Unterschicht und je mehr Farbe man sehen kann, desto höher steigt man in der Rangordnung auf. Eddie sieht Rot und zwar gar nicht so wenig, weshalb er sich Hoffnungen auf eine ranghohe Hochzeit macht. Stattdessen verliebt er sich auf Anhieb in die Graue Jane, die ihm gleich bei ihrer ersten Begegnung droht, ihm den Kiefer zu brechen.

Schon früh merkt man, dass das Buch einige Überraschungen zu bieten haben wird. Gleich im ersten Absatz offenbart der Protagonist, dass er gerade kopfüber in einer fleischfressenden Pflanze steckt und daraufhin erzählt er, wie es dazu gekommen ist. Dabei setzt sich die eigenartige Welt, in der er lebt, nach und nach zusammen und es hat eine Weile gedauert, bis ich mir ein Bild davon machen konnte. Es wird wenig wirklich erklärt, sondern man muss sich die Informationen aus Randbemerkungen zusammensetzen, das hat mir aber trotz der Verwirrung gut gefallen, da man auch mitdenken und etwas rätseln musste. Manche Aspekte sind auch am Ende des Buches noch unklar, aber das stört überhaupt nicht.

Eddie erzählt seine Erlebnisse selbst nach, was bedeutet, dass es einen personalen Ich-Erzähler gibt und man nichts weiß, was er nicht weiß, er aber widerum einiges für sich behält. Der Schreibstil selbst ist eher distanziert und unemotional, aber das hat für mich sehr gut zur Geschichte und auch zur Hauptfigur gepasst, die einen sehr trockenen Humor hat.

Obwohl man sich gleich denken kann, dass in dieser Welt nicht alles so ist, wie es scheint, ist es doch eher unvorhersehbar, was man im Laufe des Buches erfährt. Über einen längeren Abschnitt hinweg hatte ich keine Vorstellung davon, wohin die Geschichte führen sollte, aber trotzdem hat mich mein Interesse am Weltenbau bei der Stange gehalten. Als es dann die ersten Entdeckungen gibt, wollte ich mit dem Lesen gar nicht mehr aufhören und auch am Ende wollte ich unbedingt noch mehr erfahren, obwohl das Buch gar nicht so dünn ist und an sich auch nicht unvollständig wirkt. Ein zweiter Band soll angeblich in Arbeit sein, aber da seit Erscheinen dieses Buches bereits 12 Jahre vergangen sind, mache ich mir diesbezüglich keine großen Hoffnungen.


Fazit

Eine gleichsam faszinierende wie abstruse Zukunftsvision, zu der die sachliche Erzählweise gut gepasst hat. Mehr Einblicke in den Kopf der Figuren hätten mich allerdings auch nicht gestört. Ich hoffe, dass es weitere Romane innerhalb dieser Welt geben wird.

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