[Rezension] Bad Feminist

Autorin: Roxane Gay
Übersetzerin: Anne Spielmann
Verlag: btb
Format: Taschenbuch
Erschienen: 13. Mai 2019
Seitenzahl: 416
Preis: € 10,00

Roxane Gay ist Feministin, aber sie ist nicht perfekt. Sie liebt Rapmusik und Modemagazine trotz der dort vorherrschenden Frauenbilder, aber Feminismus muss nicht perfekt sein. Sie bezeichnet sich selbst als „Bad Feminist“ und ist der Ansicht, jeder Einsatz für Gleichberechtigung ist legitim und sollte gewürdigt werden, auch wenn es noch Arbeit gibt oder man gar nicht in allen Bereichen „perfekt“ sein möchte. Das erklärt sie in ihrem Vorwort, aus dem ich tatsächlich unerwartet viel mitnehmen konnte, da es sich wirklich um das Thema dreht: Was muss eine Feministin sein? Was, wenn sie nicht alle „Vorgaben“ erfüllt? Das ist ein Aspekt, den ich zu selten thematisiert sehe, denn gerade im Online Diskurs steht man schnell in der Kritik, wenn man nicht alles perfekt macht.

Das Buch ist kein zusammenhängendes Sachbuch, sondern eine Sammlung von Essays, von denen viele bereits veröffentlicht wurden. Das merkt man meiner Ansicht nach auch sehr deutlich, denn die einzelnen Beiträge sind in ganz verschiedenen Zeitschriften erschienen und thematisch entsprechend unterschiedlich. Während mir einige richtig gut gefallen und mir wichtigen Input gegeben haben, konnte ich aus einigen gar nichts mitnehmen. Manche lesen sich wie Buch- oder Filmrezensionen, aber die meist sehr ausführliche Nacherzählung der Inhalte konnte mein Interesse nicht halten, da für mich zu wenige allgemeine Folgerungen enthalten waren. Ohne diese Kapitel fiele meine Gesamtmeinung des Buches positiver aus, denn irgendwann habe ich sie nur noch überflogen, wenn der Anfang mein Interesse nicht geweckt hat.

Die übrigen Essays gefielen mir aber richtig gut. Gerade der titelgebende Gedanke, lieber eine schlechte Feministin zu sein als gar keine, wird noch lange in mir mitschwingen. Der Autorin geht es dabei darum, dass sie auch unfeministische Dinge tut, wie zum Beispiel problematische Musik zu hören, aber es gibt auch Statements bei denen ich gemerkt habe, dass sie und ich noch unterschiedliche Meinungen darüber haben, was eine Feministin ausmacht. An einer Stelle am Ende schreibt sie, wenn sie wirklich gegen unrealistische Schönheitsideale wäre, dürfe sie keine Kleider mögen und wenn sie wirklich eine selbstständige Frau wäre, würde sie sich mit Autos auskennen – das sind für mich Punkte gewesen, bei denen ich mit dem Kopf schütteln musste.

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Fazit

Durch die Sammlung der verschiedenen Essays in einem Band ist meine Meinung ein wenig durchwachsen. Manche Beiträge fand ich persönlich überflüssig, da sie mir nichts gegeben haben, aber die positiven Kapitel überwiegen. Besonders habn mich das Vor- und Nachwort beeinflusst, aber insgesamt habe ich mir auch viele andere Stellen markiert. Es ist auf jeden Fall ein Buch, das ich noch viele Male in die Hand nehmen werde.

Kurzer Kommentar am Rande: Die Originalausgabe ist von 2014 und damit nicht ganz aktuell, was einige Themen betrifft. So gibt es zum Beispiel Zitate wie „nur Frauen werden schwanger“ und auch wenn ich nicht weiß, wie die Autorin heute dazu steht, ist es binär und cisnormativ geschrieben.

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