[Damals und heute] Feuerherz

Damals und heute ist eine Kategorie, in der ich vergleiche, ob sich meine Meinung zu einem Buch beim zweiten Lesen verändert hat. In diesem Fall handelt es sich um mein Jahreshighlight 2013 und vorab kann ich schon mal sagen, dass es mir immer noch sehr gefällt. Zu meiner Rezension kommt ihr hier.

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Autorin: Jennifer Wolf
Verlag: impress
Format: ebook
Preis: €3,99
Seitenzahl: 284
Reihe: –

Feuerherz ist ein Jugendbuch im Urban Fantasy Bereich, über das ich inhaltlich gar nicht so viel verraten möchte. Es konnte mich mit seinem Fantasy-Aspekt nämlich beim ersten Mal überraschen, was ich schon in meiner damaligen Rezension positiv erwähnt habe. Aus diesem Grund möchte ich das auch hier nicht vorweg nehmen, auch wenn der Titel natürlich einen ganz guten Hinweis liefert.

Was mir damals gefallen hat, ist dass sich die Protagonistin schon im Prolog selbst vorstellt. Beim zweiten Mal konnte mich das nicht mehr so überzeugen, weil es etwas von Info-Dumping hat und einige der Informationen gar nicht explizit hätten erwähnt werden müssen und andere hätte man eleganter in die Handlung einbringen können, gerade über die Hintergründe ihrer Familie.

Dass Lissy kein Blatt vor den Mund nimmt und sagt, was sie denkt, gefällt mir hingegen immer noch. Sie schreckt auch vor sehr expliziten Aussagen nicht zurück und das hebt sie deutlich von den meisten YA-Protagonistinnen ab, die noch keinerlei sexuelle Erfahrungen gemacht haben und auch niemals so offen darüber sprechen würden.
Der Sexualhumor war mir manchmal zwar etwas zu überzogen, aber insgesamt durchaus witzig. Trotzdem war mir einiges ein bisschen zu sehr auf lustig getrimmt, indem die Charaktere immer mal wieder bekannte witzige Sprüche bringen, die sie – wie sie selber zugeben – auf Facebook gefunden haben. Mir gefiel das nicht immer, aber es ist durchaus nicht unrealistisch für Gespräche zwischen Jugendlichen (aber vielleicht nicht mehr mit 17?). Einen Pluspunkt gibt es hier auch schon allein für die Existenz von guten Freunden, die mit dem Auftauchen des Loveinterests nicht sofort vergessen sind, sondern weiterhin eine Rolle spielen.

Ilian ist ein toller Hauptcharakter und von der ersten Sekunde an sympathisch. Einen riesigen Pluspunkt bekommt er dafür, dass er zwar Teil der „perfekten“ Clique ist, mit der sich Lissys eigene Clique nicht versteht, aber er selbst hat ihnen nie etwas getan und wirkt nicht mal abweisend. Damit unterscheidet auch er sich vom typischen Badboy, der sich ganz plötzlich in die Protagonistin verguckt und seinen ganzen Charakter ändert. So ist es auch authentisch, dass Lissy schon ewig heimlich in ihn verliebt ist und ich kann es ihr gar nicht verübeln. Super ist außerdem, dass es keine Liebe auf den ersten Blick ist und gerade die erste Phase, in der Lissy das erste Mal richtigen Kontakt zu Ilian hat und alles genauestens mit ihrer besten Freundin bespricht, fand ich sehr sympathisch und realistisch.

Was mir auch gefiel ist die Spannungskurve. Sie geht nicht ständig bergauf, erreicht kurz vor Schluss ihren Höhepunkt und fällt dann rapide wieder ab, sondern es gibt ein ständiges auf und ab, wodurch immer mal wieder etwas Aufregendes passiert, dazwischen aber eher ruhige Phasen sind, in denen sich die Autorin auf die Beziehungen zwischen den Charakteren und deren Empfindungen konzentriert.

Der Schreibstil ist jugendlich und eher umgangssprachlich, wirkt dabei aber nicht zu niveaulos oder gewollt. Er lässt sich leicht lesen und ist authentisch für die 17-jährige Hauptfigur, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird.

Mein damaliges Fazit („Ein Buch mit tollen Protagonisten, das gleichzeitig unglaublich witzig, spannend und mitreißend ist. Sehr zu empfehlen!“) kann ich also noch so unterschreiben. Nur für die manchmal etwas zu gewollten Witze muss ich ein bisschen an der Bewertung abziehen, komme aber immer noch auf 4,5/5 Punkten.

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[Damals und heute] Tote Mädchen lügen nicht

„Tote Mädchen lügen nicht“ habe ich zum ersten Mal 2011 gelesen. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich es richtig gut fand und die Rezension, die zu den ersten auf meinem Blog gehörte, stimmt mir da zu. Gerade habe ich das Buch fast 6 Jahre später zum zweiten Mal beendet und möchte vergleichen, inwiefern sich meine Meinung geändert hat.

In diesem Buch geht es um Clay, der eine Schachtel mit Kassetten vor seiner Tür findet. Als er sie anhört stellt er fest, dass es Sprachaufnahmen von Hannah sind, dem Mädchen in das er verliebt war und das sich vor kurzem umgebracht hat. Auf diesen Kassetten spricht sie über die Gründe, die sie dazu gebracht haben und erklärt es den Leuten, die mit dafür verantwortlich waren.

Dass einen hierbei keine leichte und lustige Lektüre erwartet, sollte klar sein. Damals habe ich es so formuliert: Es geht total unter die Haut und regt zum nachdenken an. Hier kann ich meinem Vergangenheits-Ich völlig zustimmen. Was besonders auffällt ist, dass Gründe genannt werden, die die meisten gar nicht als Gründe erkannt hätten. Niemand in der Geschichte hat gemerkt, was Hannah durchmacht, weil es auf Außenstehende nicht so schlimm wirkt wie für sie als Betroffene. Das ist genau das, was mich damals etwas gestört hat, aber heute sehe ich das völlig anders. Zwar habe ich es in meiner Rezension nicht erwähnt, aber insgeheim fand ich die Gründe ein bisschen zu „schwach“, weil sie mir gar nicht so schlimm vorkamen. Heute bin ich älter, minimal reifer und sehe die Sache eindeutig anders. Ich verstehe sie besser und verstehe auch, dass vieles davon gewisse Folgen hatte, die ich damals nicht gesehen habe. Das ist natürlich Sinn des Buches: dem Leser klarmachen, was für einen Einfluss man ständig und mit jeder seiner Entscheidungen auch auf andere Menschen hat. Selbst wenn es einem selbst nicht so vorkam, kann es doch sein, dass es jemand anderem viel mehr bedeutet als man denkt. Man sollte immer darauf achten, was man zu anderen sagt und wie man sie behandelt, denn für sie ist vielleicht nicht alles nur Spaß.

„Ich glaube, das ist der entscheidende Punkt. Niemand von uns weiß genau, wie viel Einfluss wir auf das Leben der anderen haben. In der Regel gibt es keine konkreten Hinweise, und so machen wir einfach weiter, ohne unser Verhalten zu überdenken.“         – Seite 154 

Dem zweiten Kritikpunkt kann ich allerdings immer noch zustimmen, nämlich dem, dass Clay ständig dazwischen quatscht. Wir folgen in der Geschichte Clay, der sich die Kassetten anhört und währenddessen durch die Stadt wandert und die Orte besucht, von denen die Rede ist. Dabei erfährt man natürlich auch, was er sieht und was er dabei denkt, sowie seine Reaktionen auf das Gehörte. An sich gefällt mir das, allerdings gibt es Stellen, an denen entweder seine Kommentare nicht zu Hannahs Thema passen, oder sie sind so zerstückelt, dass sie alle paar Sätze unterbrochen wird und man ein paar Worte von Clay hört, die eigentlich zusammengehören. Ich verstehe, dass so gezeigt werden soll, dass diese Dinge gleichzeitig passieren, aber das ändert nichts daran, dass ich dadurch immer wieder aus dem Lesefluss gerissen und verwirrt wurde, weil ich nachschauen musste, worauf er sich da bezieht. Das hätte man also eleganter lösen können.

Was mir sehr gefällt, ich aber damals nicht erwähnt habe, ist Hannahs Erzählweise. Sie erzählt stellenweise so trocken und mit Sarkasmus und an anderen Stellen so gefühlvoll, dass ich sie einfach mögen muss.


Fazit

Nach wie vor ein extrem wichtiges Buch, was mich bis auf eine Kleinigkeit sehr überzeugt. Heute verstehe ich es aber besser als damals mit 14 und kann deshalb nur empfehlen, es noch mal aus einer anderen Perspektive zu lesen, wenn es euch damals genauso ging.