[Rezension] Marsmädchen

 

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Autorin: Tamara Bach
Verlag: dtv
Seitenzahl: 192
Erschienen: 2003
Format: Hardcover / Taschenbuch
Preis: neu nicht mehr erhältlich
Reihe: –


Inhalt

Miriam fühlt sich Fehl am Platz. Ihre Stadt findet sie langweilig, den Winter zu grau und überhaupt wäre sie gern woanders. Als sie Laura kennenlernt, ändert sich das und endlich kommt ein bisschen Farbe und Aufregung in ihr Leben.


Meinung

Meine Inhaltsangabe ist sehr knapp gehalten, denn auch das Buch ist sehr kurz und ich möchte nicht zu viel verraten. Auch klingt der Plot nicht besonders spektakulär, aber das ist es, was das Buch für mich besonders macht. Die Geschichte ist mitten aus dem Leben gegriffen und einfach zu hundert Prozent realistisch.

Das spiegelt sich auch im Schreibstil wider, der perfekt zur 15-jährigen Erzählerin passt. Er ist umgangssprachlich, wirkt aber nicht zu gewollt jugendlich, sondern einfach echt. Auch die Charaktere sprechen, wie Jugendliche eben sprechen und drücken sich nicht so gewählt aus, wie man es aus anderen Büchern vielleicht kennt. Das fand ich zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, aber es trägt eben stark dazu bei, dass die Geschichte authentisch wirkt.

Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich in die Geschichte reinkam, konnte Miriams Gedanken aber gut nachvollziehen. Ihr gefällt die Gegend, in der sie lebt nicht und sie würde lieber in einer Stadt leben, in der mehr los ist und in der sie sich wohler fühlen würde. Das ist allerdings keine Option und so fühlt sie sich gelangweilt und eingeengt von ihrem Leben. Ich vermute, dass viele Leser sich damit identifizieren können. Generell gefällt es mir sehr, wie Gefühle und Gedanken völlig ungefiltert in der Ich-Perspektive niedergeschrieben werden und man die Hauptfigur so wirklich verstehen kann. Besonders gefallen hat mir der Twist der Handlung, aber den möchte ich an dieser Stelle nicht vorweg nehmen.


Fazit

Eine Geschichte direkt aus dem Leben, die durch den umgangssprachlichen Schreibstil umso authentischer wirkt. Die Handlung startet langsam, weshalb ich kleinere Schwierigkeiten hatte, reinzukommen, konnte mich aber noch überzeugen.

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Seminarlektüren: Black British Literatures

In diesem Semester habe ich den Kurs Black British Literatures: Postcolonial London belegt und musste dementsprechend auch Romane dafür lesen, welche ich euch heute kurz zusammen mit meiner Meinung vorstellen möchte. Thematisch ging es dabei schwerpunktmäßig um Einwanderer in London nach Ende des Kolonialismus und wie sie sich innerhalb Londons bewegen und die Stadt nutzen.


The Lonely Londoners (Sam Selvon)
[deutsch: Die Taugenichtse]

Lonely Londoners

In The Lonely Londoners folgen wir einer handvoll Männer, größtenteils aus Jamaika migriert, wenn ich das richtig im Kopf habe. Dabei folgen wir keiner linearen Handlung, sondern den Charakteren in ihrem Alltag, der völlig unterschiedlich aussehen kann. Manch einer mag dabei das Klischee erfüllen und wegen der Sozialhilfe gekommen sein, andere arbeiten hart, aber alle haben so ihre Probleme in der großen Stadt.

Was das Buch besonders auszeichnet ist die Sprache, welche eine Mischung aus verschiedenen Dialekten der Einwanderer aus verschiedenen Ländern ist. Diese wird nicht nur in den Dialogen verwenden, sondern das ganze Buch über – laut Aussage des Autors deshalb, weil es sich im Standard-Englisch einfach nicht authentisch angefühlt hat. Ich kann das so unterschreiben und nach kurzer Eingewöhnung kam ich mit der Sprache gut zurecht und finde sie auch furchtbar passend für die Geschichte.

Insgesamt fand ich es interessant, für eine kurze Zeit ins Leben der Charaktere zu schauen und zu sehen, wie unterschiedlich sie die Dinge angehen und mit Hindernissen zurechtkommen. Das Buch ist mit 160 Seiten sehr kurz, aber es erfüllt seinen Zweck. Letztendlich war ich aber nicht wirklich ein Fan davon, dass es keine richtige Handlung gibt und man durch die nur kurzen Einblicke auch keinen der Charaktere tiefer kennengelernt oder viel über seine Geschichte erfahren hat.


Brick Lane (Monica Ali) [deutsch: Brick Lane]

Brick Lane

In diesem Buch geht es um Nazneen, die mit 18 Jahren von Bangladesh nach England zog um dort einen Mann zu heiraten, den ihr Vater für sie ausgesucht hat. Sie ist zunächst nicht unglücklich damit, vermisst dann aber doch nach und nach ihre Freiheiten und möchte unabhängiger sein.

Dieser Roman sollte theoretisch einen guten Einblick in die Bengali-Gemeinden Londons geben, allerdings wurde es gerade von diesen stark dafür kritisiert, dass die Darstellung falsch und nicht repräsentativ sei. Scheinbar werden viele Klischees und Stereotype reproduziert und dafür stand es in der Kritik. Genaueres weiß ich darüber nicht, aber das finde ich wichtig, beim Lesen zu wissen.

Nazneen ist an sich ein interessanter Charakter, weil sie zunächst den Traditionen folgt und tut, was von ihr erwartet wird, aber man merkt ihr schon recht früh an, dass sie damit nicht wirklich zufrieden ist. Später handelt sie auch entsprechend, wobei ich ihre Handlungen nicht immer gut heißen würde, auch wenn sie ansonsten viel in die „richtige“ Richtung gehen.

Insgesamt hat mir der Roman leider nicht besonders gefallen, weil es mir massiv an Spannung gefehlt hat. Die meiste Zeit über musste ich mich regelrecht zwingen, das Buch in die Hand zu nehmen (es ist auch die erste Lektüre, die ich nicht vor der Deadline beendet habe, sondern erst 1,5 Wochen danach) und ich kann nicht sagen, dass ich es gerne gelesen habe. Gegen Ende wurde es glücklicherweise interessanter, aber viel Handlung gibt es nicht und dafür fand ich fast 550 Seiten einfach zu viel.
Auch wenn es nicht uninteressant war und mir einige Aspekte der Handlung gefallen haben, konnte es mich leider nicht überzeugen.


White Teeth (Zadie Smith) [deutsch: Zähne zeigen]

White Teeth

Hier folgen wir verschiedenen Charakteren mit Fokus auf drei Familien: Archie und Samad, zwei Freunden die sich im 2. Weltkrieg kennengelernt haben und ihren Kindern, sowie einer dritten Familie, die erst später eingeführt wird. Das Ganze streckt sich über einen Zeitraum von etwa 50 Jahren und wird dadurch eher episodenweise erzählt statt durch eine lückenlose Handlung.

Wie gut mir das Buch gefallen hat, stieg und fiel immer mit dem jeweiligen Erzähler. Es beginnt mit Archie und zu diesem Zeitpunkt konnte ich mit dem Roman noch nichts anfangen, weil ich ihn als Charakter einfach sehr nichtssagend finde. Er scheint keinerlei Eigenschaften zu haben und nichts zeichnet ihn aus, sodass ich froh war, als der Fokus sich verschob. Samad hatte dafür einen interessanteren Handlungsstrang und als man danach eher den Kindern folgt, konnte ich noch überzeugt werden. Irie, Millat und Magid sind interessante Figuren, die alle individuelle Probleme haben und zeigen, wie es sein kann, Einwandererkinder der 2. Generation zu sein. Irie ist dazu noch übergewichtig und unglücklich verliebt und hat damit „nebenbei“ noch typische Teenagerprobleme.
Insgesamt mochte ich es, auch wenn es etwas langwierige Passagen hatte. Die wechselnde Perspektive fand ich dafür sehr interessant.


Kennt ihr die Bücher oder welche mit ähnlicher Thematik?

[Rezension] Fuck you, Love

 

Fuck you, Love

 

Autorin: Daniela Hartig
Verlag: Twentysix
Format: Taschenbuch / ebook
Preis: €12,90 / €2,99
Reihe:
1. Fuck you, Love
2. Fuck you, Hope

Inhalt

Seit Tagen lauert Floyd ein Mädchen auf und er will nichts weniger, als sich mit ihr auseinanderzusetzen. Wieso? Sie behauptet, er habe sie vergewaltigt, aber er erinnert sich nur vage an besagte Nacht. Obwohl er zunächst nichts mit ihr zu tun haben möchte, interessiert er sich doch immer mehr für Storm, sobald er sie kennenlernt, allerdings ist sie unfassbar unnahbar und natürlich steht auch die mögliche Vergewaltigung zwischen ihnen. Weiterlesen „[Rezension] Fuck you, Love“

[Rezension] Nachtstürme

 

Nachtstürme
Quelle: Heyne Verlag

 

Autorin: Nicole Peeler
Verlag: Heyne
Format: Taschenbuch
Übersetzer: Carolin Müller
Erschienen 2011

 

Inhalt

Seit dem Tod ihres Freundes ist Jane eine Außenseiterin in der kleinen Küstenstadt, in der sie lebt. Eigentlich war sie das aber bereits vorher, denn ihre Mutter galt seit ihrem plötzlichen Auftauchen – und erst recht seit ihrem plötzlichen Verschwinden – als seltsam und das übertrug sich auch auf Jane. Als sie eine Leiche entdeckt, erfährt sie durch die Ermittlungen unerwarteterweise auch so einiges über sich selbst. Weiterlesen „[Rezension] Nachtstürme“